Leben wir, um zu arbeiten oder arbeiten wir, um zu leben?

Als ich im Alter von ca. 12-13 Jahren war, gab es in der damaligen Jugendzeitschrift FRÖSI eine Leserdiskussion zu dieser Frage. Mich hat diese Frage nie wieder losgelassen. Versuche ich, eine Antwort zu finden, dann fallen mir zunächst noch viele andere Fragen ein.

Was meinen wir genau, wenn wir von Arbeit sprechen? Ist das die Erwerbsarbeit? Gehört die Arbeit in Haushalt und Familie dazu? Interessant ist, dass die Wurzeln des Wortes Arbeit wirklich auf Begriffe wie Mühsal, Knechtschaft und sogar Sklaverei zurückgehen [1], [2]. Ist ein Hobby aber vielleicht auch Arbeit? Und ein Ehrenamt?

Und auch, wenn ich über das Leben nachdenke, fallen mir Fragen ein. Was meinen wir mit Leben tatsächlich? Ist das eindeutig? Die Frage stellt sich besonders, wenn unser Leben von schweren Krankheiten überschattet wird. Was brauchen wir zum Leben? Sicherlich etwas zu Essen, eine Wohnung und Kleidung. Aber was noch? Und worauf können wir getrost verzichten?

Wie verändert sich der Inhalt der Frage, wenn ich sie ein kleines bisschen abwandle: „Arbeiten wir nur um zu leben? Leben wir nur um zu arbeiten?“ Ja, wie arbeiten und leben wir denn überhaupt? Ist das nicht die wichtigste Frage? Welche Bedeutung gebe ich selbst dem Begriff Arbeit? Welchen Stellenwert hat sie in meinem Leben?

Manchmal führt so ein Nachdenken zu Fragen, die sich unangenehm anfühlen und die wir dann lieber schnell wegschieben. Das sind aber die wirklich interessanten Fragen. Stellen wir Fragen, verlangt unser Gehirn nach Antworten. Mit der Qualität unserer Fragen bestimmen wir auch die Qualität der Antworten. Und: Meine Erfahrung ist, wenn ich diese Fragen wegschiebe, kommen sie später wieder auf meine Tagesordnung. Und das so lange, bis ich eine Antwort gefunden habe.

Meine Antwort auf diese Frage habe ich gefunden. Deshalb unterstütze ich nun gern Menschen, die auf der Suche nach ihrer Antwort sind.

Quellen:
[1] Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2002
[2] Deutscher Gewerkschaftsbund / Hans-Böckler-Stiftung: Atlas der Arbeit. 1. Auflage Mai 2018 abrufbar unter https://www.dgb.de/atlas-der-arbeit